www.Bentlin.de Comic-Wegweiser
 
Prolog

Viele Klischees und Vorurteile über Comics sind leider meist richtig! Auch wenn der Comics es dem Analphabeten oder auch potentiellen Nichtlesern erleichtert, mit Buchstaben umzugehen, ist dieses Bildmedium oft sprachlich trivial und viele Zeichnungen profan. Das gleiche lässt sich übrigens auch auf die klassische Musik (oft nervig), die Kunst (Moderne - was ist das?) oder die Literatur (langweilig und viel Überflüssiges) transportieren. Auch die rasante Verblödung durch andere Unterhaltungsmedien wird von den meisten Bildungsbürgern stillschweigend hingenommen. - Anders jedoch beim Comic: Entweder muss man sich (fast) entschuldigen oder erklären... um es letztendlich auf den Punkt zu bringen, dass es eben hierbei viel Sehenswertes gibt.
 
Vorliegende Auswahl ist der Versuch, aus dem riesigen Fundus die schönsten Klassiker dieses Genre herauszusuchen und anschaulich zu präsentieren. Um nicht wieder bei William Hogarth oder Wilhelm Busch anzufangen, beschränken wir uns auf das 20. Jahrhundert, etwa von dem Zeitbeginn in den USA - gleichsam zur Filmentwicklung (mit den lebendigen Bildern) - als der Comic zu laufen begann. Ähnlich wie bei der Yellow Press, liegt im Comic der wesentliche Anspruch auf Unterhaltung. Wenn es auf einfache Weise gelingt, den Leser oder Betrachter aus dem Alltag herauszuholen und ihn zu bewegen oder gar zum Lachen zu bringen, ist schon sehr viel erreicht - oder?
Bei dem vielen Schund, der über Jahre hinweg produziert wurde, sind immerhin einige hervorragende Beispiele zu nennen, die es m.E. zu eigenem Kunstrang geschafft haben. So haben Künstler wie z.B. Lyonel Feininger in frühen Jahren auch Comics gemacht - auch wenn das später wieder verdrängt wurde. Roy Lichtensteins Werke sind genau genommen fast identische Großkopien von Comic-Panels und damit Pop Art genannt. Pablo Picasso hingegen hat es bedauert, niemals einen Comic gezeichnet zu haben. Schauen wir auf frühe Produktionen wie Little Nemo, Krazy Kat oder auch viele Disney-Schöpfungen und später Will Eisners Gattungen der Graphischen Novelle. Mit diesen Beispielen und viel anderen avanciert das Medium Comic unter heutigen Gesichtpunkten zunehmend zu eigenem (Kunst- oder Kultur) Status – selbst Undergroundzeichner wie Robert Crumb schaffen jüngst den Sprung in große Kunstgalerien. Betrachtet man sich Werke von Enki Bilal, Moebius oder von Francois Schuiten haben diese Bilder mit der herkömmlichen Sprechblasenkultur nicht mehr allzu viel zu tun. - Dennoch, wenn beispielsweise geniale Zeichner und Autoren wie Dave McKean, Lorenzo Mattotti oder etwa Guido Sieber neue Akzente in der Comic-Kunst der 90er Jahre setzen, geraten auch diese Titel schnell wieder im mainstream unterzugehen...
Comics sitzen zwischen den Stühlen der Literatur und der Kunst - und selbst anspruchsvolle Werke haben es noch heute schwer angenommen zu werden. Viele der "ernsthaften Kunst, Kultur- oder Literatur-Kritiker" haben Schwierigkeiten, sich näher mit dem Medium Comic auseinandersetzen wollen. Eine Ignoranz, die wohl mehr unbewusst oder auch unwissentlich passiert, da: Wer in seiner Kindheit oder Jugend niemals Comics gelesen hat, müht sich später bei dem so genannten Decodieren der grafischen Sprache. - Und bekanntlich "was Hänschen nicht lernt... "
 
... Fortsetzung folgt ...